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Bau und Geschichte

Die Entstehung und Geschichte der Transsibirischen Eisenbahn – von den ersten Plänen bis zur heutigen Strecke

Die Transsibirische Eisenbahn ist mehr als nur eine Bahnlinie. Sie ist ein Symbol für technische Leistung, menschlichen Ehrgeiz und die enge Verbindung zwischen Europa und Asien. Ihre Geschichte beginnt im späten 19. Jahrhundert und reicht bis in die Gegenwart.

Zarewitsch Nikolai startet den Bau der Transsib
Zarewitsch Nikolai startet den Bau der Transsib

1 Die Anfänge und der Baubeginn

Die Idee einer Eisenbahn durch Sibirien

Im 19. Jahrhundert stand das Russische Reich vor einer gewaltigen Herausforderung: Während sich Wirtschaft und Infrastruktur nur langsam entwickelten, waren weite Gebiete Sibiriens und des Fernen Ostens kaum erschlossen. Ihre reichen Rohstoffvorkommen ließen sich nur schwer nutzen, und die Entfernungen zwischen dem europäischen Teil Russlands und den östlichen Regionen waren enorm.

Auf Anraten seines Verkehrsministers Sergei Juljewitsch Witte entschied Zar Alexander III. schließlich, eine Eisenbahnverbindung quer durch das Land bauen zu lassen – den späteren Kern der Transsibirischen Eisenbahn. Die Idee selbst war allerdings älter: Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hatten ausländische Unternehmen entsprechende Projekte vorgeschlagen, und seit den 1870er-Jahren wurden auch unter Zar Alexander II. konkrete Planungen vorangetrieben.

Nach dem endgültigen Beschluss von 1886 wurden im folgenden Jahr drei Expeditionen ausgesandt, um mögliche Streckenführungen zu erkunden. Damit begann die unmittelbare Vorbereitung eines der größten Eisenbahnprojekte seiner Zeit.

Der Baubeginn 1891

Der offizielle Baubeginn der Transsibirischen Eisenbahn erfolgte im Jahr 1891. Am 31. Mai legte Zarewitsch Nikolai, der spätere Zar Nikolaus II., in der Nähe von Wladiwostok symbolisch den Grundstein für den Bau der Ussuri-Bahn. Gleichzeitig wurde mit den Arbeiten auch von Westen her begonnen.

Das gewaltige Bauvorhaben sollte Russland erstmals durch eine durchgehende Eisenbahnverbindung mit Sibirien und dem Fernen Osten verbinden. Die Strecke wurde dabei nicht einfach von einem Ausgangspunkt aus immer weiter verlängert. Um den Bau zu beschleunigen, entstanden mehrere große Teilstrecken gleichzeitig, die später miteinander verbunden wurden.

Die Arbeiten stellten Ingenieure und Arbeiter vor enorme Herausforderungen. Große Entfernungen, kaum erschlossene Gebiete, Flüsse, Gebirge, Sümpfe und das extreme sibirische Klima erschwerten den Bau. Hinzu kam, dass Baumaterialien und technische Ausrüstung über weite Strecken transportiert werden mussten. Dennoch schritt das Projekt für die damalige Zeit erstaunlich schnell voran.

Bahnhof in Nikolsk-Ussurijsk (Anfang 20. Jahrhundert)
Bahnhof in Nikolsk-Ussurijsk (Anfang 20. Jahrhundert)

2 Die Ussuri-Bahn

Der Bau der Ussuri-Bahn begann 1891 in Wladiwostok und markierte den östlichen Ausgangspunkt der späteren Transsibirischen Eisenbahn. Die Strecke sollte Wladiwostok mit Chabarowsk verbinden und damit eine durchgehende Verkehrsverbindung durch den russischen Fernen Osten schaffen.

Die Arbeiten fanden unter äußerst schwierigen Bedingungen statt. Große Teile der Region waren nur dünn besiedelt und kaum erschlossen. Dichte Wälder, Sümpfe und zahlreiche Flüsse erschwerten den Bau, während Baumaterialien, technische Ausrüstung und Arbeitskräfte über große Entfernungen herangeschafft werden mussten.

Trotz dieser Schwierigkeiten kamen die Arbeiten zügig voran. Der südliche Abschnitt der Ussuri-Bahn wurde 1897 fertiggestellt, ein Jahr später folgte der nördliche Abschnitt bis Chabarowsk. Damit entstand im Fernen Osten ein wichtiger Teil der künftigen transsibirischen Verbindung.

Die Ussuri-Bahn spielte nicht nur für den Eisenbahnverkehr eine bedeutende Rolle. Sie förderte auch die wirtschaftliche Entwicklung und Erschließung der Region und verband abgelegene Gebiete erstmals dauerhaft mit den wichtigen Zentren des Fernen Ostens.

Bahnhof in Nowosibirsk
Bahnhof in Nowosibirsk

3 Die Westsibirische Bahn

Während im Fernen Osten die Ussuri-Bahn entstand, wurde auch von Westen her mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn begonnen. Die Westsibirische Bahn führte von Tscheljabinsk über Omsk bis zum Fluss Ob und sollte das bereits bestehende russische Eisenbahnnetz mit den weiten Gebieten Sibiriens verbinden.

Die Bauarbeiten begannen 1892. Im Vergleich zu vielen späteren Abschnitten der Transsibirischen Eisenbahn bot das überwiegend flache Gelände Westsibiriens zunächst günstigere Voraussetzungen. Dennoch mussten zahlreiche Flüsse überwunden, Brücken errichtet und die Strecke durch riesige, kaum erschlossene Gebiete geführt werden.

Bereits 1894 erreichte die Eisenbahn Omsk. Wenige Jahre später war die Strecke bis zum Ob fertiggestellt. An dessen Ufer entstand bei der großen Eisenbahnbrücke eine neue Siedlung, aus der sich das heutige Nowosibirsk entwickelte – eine Stadt, deren rascher Aufstieg unmittelbar mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn verbunden war.

Mit der Westsibirischen Bahn begann sich auch das Leben entlang der Strecke grundlegend zu verändern. Menschen und Waren konnten wesentlich schneller transportiert werden, neue Siedlungen entstanden und bestehende Handelszentren gewannen an Bedeutung. Die Eisenbahn wurde damit zu einem entscheidenden Motor für die weitere Erschließung Sibiriens.

Mittelsibirische Bahnlinie, 1893. Gleisverlegung
Mittelsibirische Bahnlinie, 1893. Gleisverlegung

4 Die Mittelsibirische Bahn

Östlich des Ob setzte die Mittelsibirische Bahn den Weg der Transsibirischen Eisenbahn durch das Innere Sibiriens fort. Die Strecke führte von Nowonikolajewsk, dem heutigen Nowosibirsk, über Krasnojarsk weiter in Richtung Irkutsk. Mit jedem Kilometer nach Osten wurde das Gelände schwieriger und stellte die Ingenieure vor neue Herausforderungen.

Die Bauarbeiten begannen 1893. Anders als in den weiten Ebenen Westsibiriens musste die Trasse nun durch hügelige und gebirgige Landschaften, dichte Taiga und über zahlreiche Flüsse geführt werden. Besonders aufwendig waren die notwendigen Erdarbeiten sowie der Bau von Brücken und anderen Kunstbauten.

Zu den bedeutendsten Bauwerken dieses Abschnitts gehörte die große Eisenbahnbrücke über den Jenissei bei Krasnojarsk. Die fast einen Kilometer lange Konstruktion galt zur damaligen Zeit als herausragende technische Leistung und wurde zu einem Symbol für den raschen Fortschritt beim Bau der Transsibirischen Eisenbahn.

1898 erreichten die Schienen Irkutsk. Damit war die Eisenbahn bis unmittelbar an die Region des Baikalsees vorgedrungen. Vor den Erbauern lag nun jedoch eines der schwierigsten Hindernisse der gesamten Strecke: der Baikalsee und seine gebirgigen Ufer.

Bahnhof in Tschita, 1910
Bahnhof in Tschita, 1910

5 Die Transbaikalbahn

Während die Transsibirische Eisenbahn von Westen her immer näher an den Baikalsee heranrückte, begann 1895 östlich des Sees der Bau der Transbaikalbahn. Sie sollte die Verbindung von der Baikalregion über Tschita bis in Richtung der chinesischen Grenze herstellen und damit eine weitere wichtige Lücke auf dem Weg zum Pazifik schließen.

Die Arbeiten führten durch eine landschaftlich ebenso eindrucksvolle wie schwierige Region. Gebirgszüge, tiefe Flusstäler und zahlreiche Wasserläufe machten den Bau wesentlich aufwendiger als in den Ebenen Westsibiriens. Hinzu kamen die großen Entfernungen und die schwierige Versorgung der Baustellen mit Material, Ausrüstung und Arbeitskräften.

Eine besondere Herausforderung stellte die Überquerung großer sibirischer Flüsse dar. Zahlreiche Brücken und andere Kunstbauten mussten errichtet werden, während die Trasse immer weiter durch das nur dünn erschlossene Transbaikalien nach Osten vorangetrieben wurde.

Um die Jahrhundertwende waren die wichtigsten Abschnitte der Transbaikalbahn fertiggestellt. Damit bestand nun auch östlich des Baikalsees eine Eisenbahnverbindung, die später zu einem festen Bestandteil der großen transsibirischen Route wurde. Zwischen den von Westen und Osten her entstandenen Strecken blieb jedoch weiterhin ein entscheidendes Hindernis: der Baikalsee selbst.

Baikalbahn-Brücke, gebaut Anfang 20 Jahrhundert
Baikalbahn-Brücke, gebaut Anfang 20 Jahrhundert

6 Die Baikalbahn

1896 begann der Bau der Baikalbahn, die Irkutsk mit dem Westufer des Baikalsees verbinden sollte. Damit rückten die von Westen kommenden Schienen unmittelbar an den größten und tiefsten Süßwassersee der Erde heran. Doch eine durchgehende Eisenbahnverbindung nach Osten war damit noch lange nicht geschaffen.

Der Baikalsee bildete ein gewaltiges natürliches Hindernis. Eine Bahnlinie entlang seines steilen und felsigen Südufers war technisch außerordentlich schwierig zu bauen und konnte nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. Deshalb musste zunächst eine provisorische Verbindung zwischen den Strecken westlich und östlich des Sees geschaffen werden.

Mit dem Eisbrecher über den Baikalsee

Für die Überquerung des Sees wurde eigens der große Eisenbahnfähr-Eisbrecher „Baikal“ gebaut. Seine Einzelteile wurden in Großbritannien gefertigt, nach Russland transportiert und schließlich am Baikalsee zusammengesetzt. Das Schiff verfügte über Eisenbahngleise und konnte komplette Waggons von einem Ufer zum anderen befördern.

Doch die extremen Winter am Baikalsee brachten selbst den mächtigen Eisbrecher an seine Grenzen. Die Eisdecke konnte so stark werden, dass der regelmäßige Fährverkehr zeitweise nicht möglich war. In besonders schwierigen Perioden wurden Güter und Passagiere deshalb auf anderen Wegen über das zugefrorene Gewässer gebracht.

Die Strecke entlang des Baikalsees

Parallel dazu wurde an einer dauerhaften Lösung gearbeitet: einer Eisenbahnstrecke entlang des südlichen Ufers. Der Bau durch das felsige Gelände erforderte einen außergewöhnlichen technischen Aufwand. Zahlreiche Tunnel mussten in den Fels gesprengt sowie Brücken, Viadukte und Stützmauern unmittelbar am See errichtet werden.

1904 konnte dieser schwierige Abschnitt schließlich in Betrieb genommen werden. Damit war die bis dahin notwendige Eisenbahnfähre über den Baikalsee nicht mehr das entscheidende Bindeglied zwischen den westlichen und östlichen Teilen der Strecke. Eines der größten Hindernisse beim Bau der Transsibirischen Eisenbahn war überwunden.

Bau der Ostchinesischen Bahn
Bau der Ostchinesischen Bahn

7 Die Ostchinesische Bahn

Eine wichtige Rolle beim weiteren Ausbau der Verbindung zum Fernen Osten spielte die Ostchinesische Bahn. Ihr Bau begann 1897 und führte die Strecke von Tschita durch die Mandschurei über Harbin bis nach Wladiwostok. Auf diese Weise konnte der Weg zum Pazifik erheblich verkürzt werden.

Russland hatte sich zuvor mit China über den Bau und Betrieb der Eisenbahn durch chinesisches Gebiet verständigt. Für das Russische Reich besaß die neue Strecke nicht nur wirtschaftliche, sondern auch große strategische Bedeutung. Entlang der Bahn entstanden neue Siedlungen und Verkehrsknotenpunkte; besonders Harbin entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einer bedeutenden Stadt.

Der Bau stellte die Ingenieure erneut vor große Herausforderungen. Die Strecke führte über weite, teilweise kaum erschlossene Gebiete und erforderte zahlreiche Brücken und umfangreiche Erdarbeiten. Hinzu kamen die politischen Unruhen in China um die Jahrhundertwende, die den Bau zeitweise erheblich beeinträchtigten.

1903 konnte die Ostchinesische Bahn schließlich durchgehend befahren werden. Damit bestand erstmals eine weitgehend durchgehende Eisenbahnverbindung zwischen dem europäischen Russland und Wladiwostok. Ein Teil dieser Verbindung verlief allerdings weiterhin über chinesisches Territorium – ein Umstand, der später zum Bau einer vollständig auf russischem Gebiet verlaufenden Alternative führen sollte.

Tunnel am 587. Kilometer der Amur-Bahn
Tunnel am 587. Kilometer der Amur-Bahn

8 Die Amurbahn

Obwohl die Ostchinesische Bahn bereits eine durchgehende Verbindung nach Wladiwostok ermöglichte, führte ein großer Teil der Strecke durch die Mandschurei und damit über chinesisches Territorium. Aus strategischen Gründen sollte deshalb eine alternative Bahnlinie entstehen, die vollständig innerhalb des Russischen Reiches verlief.

Mit dem Bau der Amurbahn wurde 1908 begonnen. Sie führte von Kuenga östlich von Tschita durch die dünn besiedelten Gebiete entlang des Amur bis nach Chabarowsk. Die Arbeiten gehörten noch einmal zu den schwierigsten Bauabschnitten der gesamten Transsibirischen Eisenbahn. Die Trasse verlief durch nahezu unerschlossene Landschaften mit Sümpfen, Permafrostgebieten und zahlreichen Flüssen.

Besonders aufwendig war die Überquerung des Amur bei Chabarowsk. Dort entstand eine mehr als zwei Kilometer lange Eisenbahnbrücke, die zu den größten Ingenieurbauwerken ihrer Zeit in Russland gehörte. Mit ihrer Fertigstellung wurde die letzte große Lücke der durchgehend auf russischem Gebiet verlaufenden Transsibirischen Eisenbahn geschlossen.

1916 wurde die Amurbahn vollständig in Betrieb genommen. Damit war die Transsibirische Eisenbahn in ihrer heutigen grundlegenden Streckenführung vollendet: Züge konnten nun von Moskau bis Wladiwostok fahren, ohne dabei russisches Staatsgebiet verlassen zu müssen. Rund 25 Jahre nach dem offiziellen Baubeginn war eines der größten Eisenbahnprojekte der Welt abgeschlossen.

9 Folgen des Ersten Weltkrieges und des Bürgerkrieges

Der Erste Weltkrieg, die Russische Revolution von 1917 und der anschließende Bürgerkrieg hinterließen auch an der Transsibirischen Eisenbahn deutliche Spuren. Teile der Strecke und zahlreiche Bahnanlagen wurden beschädigt, der Verkehr war vielerorts erheblich beeinträchtigt. Gleichzeitig fehlten Material und Arbeitskräfte für die notwendige Instandhaltung.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges begann der Wiederaufbau der wichtigen Verkehrsverbindung. Beschädigte Strecken, Brücken und Bahnanlagen wurden instand gesetzt und der reguläre Eisenbahnverkehr schrittweise wiederhergestellt. Bis 1925 waren die wesentlichen Wiederaufbauarbeiten abgeschlossen und die Transsibirische Eisenbahn konnte wieder ihre zentrale Rolle als Verbindung zwischen dem europäischen Teil des Landes und Sibirien sowie dem Fernen Osten übernehmen.

10 Beginn der Elektrifizierung

1929 begann mit der Elektrifizierung des Streckenabschnitts zwischen Moskau und Mytischtschi ein neues Kapitel in der Geschichte der Transsibirischen Eisenbahn. In den folgenden Jahrzehnten wurde der elektrische Betrieb schrittweise auf immer weitere Teile des sowjetischen Eisenbahnnetzes ausgedehnt.

Nach und nach erreichte die Elektrifizierung auch die weit entfernten Strecken Sibiriens und des Fernen Ostens. Der Einsatz elektrischer Lokomotiven ermöglichte höhere Leistungen, insbesondere auf langen Steigungen und bei schweren Güterzügen, und trug zugleich zu einer effizienteren Abwicklung des ständig wachsenden Verkehrs bei.

Die vollständige Elektrifizierung der Transsibirischen Eisenbahn war jedoch ein Projekt, das sich über viele Jahrzehnte erstreckte. Erst 2002 wurde mit der Elektrifizierung des letzten noch mit Diesellokomotiven betriebenen Abschnitts die gesamte Strecke von Moskau bis Wladiwostok elektrisch befahrbar.

Bahnhof in Sljudjanka
Bahnhof in Sljudjanka

11 Die neue Strecke nach Sljudjanka

1949 wurde ein neuer Streckenabschnitt von Irkutsk über das Gebirge direkt nach Sljudjanka am südwestlichen Ufer des Baikalsees in Betrieb genommen. Die neue Verbindung verkürzte den bisherigen Weg und veränderte die Streckenführung der Transsibirischen Eisenbahn in der Baikalregion grundlegend.

Bis dahin führte die Hauptstrecke von Irkutsk zunächst zum Baikalsee und anschließend über die historische Baikal-Rundbahn entlang des Seeufers nach Sljudjanka. Mit der neuen direkten Verbindung verlor ein großer Teil dieser alten Strecke seine Bedeutung für den durchgehenden Fernverkehr.

Eine weitere Veränderung folgte wenige Jahre später mit dem Bau des Irkutsker Wasserkraftwerks und der Aufstauung der Angara. Ein Teil der ehemaligen Bahnstrecke am westlichen Ende des Baikalsees wurde überflutet. Der verbliebene Abschnitt der historischen Baikal-Rundbahn blieb jedoch erhalten.

Heute gehört die Strecke entlang des Baikalsees nicht mehr zur Hauptlinie der Transsibirischen Eisenbahn. Mit ihren zahlreichen Tunneln, Brücken und eindrucksvollen Ausblicken auf den See ist sie jedoch bis heute ein außergewöhnliches Zeugnis der frühen Baugeschichte der Transsib.

Bau der Baikal-Amur-Magistrale
Bau der Baikal-Amur-Magistrale

12 Die Baikal-Amur-Magistrale

1974 begann der groß angelegte Bau der Baikal-Amur-Magistrale, kurz BAM. Die neue Eisenbahnstrecke verlief weitgehend nördlich der Transsibirischen Eisenbahn und sollte eine zusätzliche Verbindung zwischen Sibirien und dem russischen Fernen Osten schaffen.

Der Bau der BAM gehörte zu den größten Infrastrukturprojekten der Sowjetunion. Tausende Menschen aus allen Teilen des Landes arbeiteten an der Strecke, neue Siedlungen und Städte entstanden entlang der Trasse. Die extremen klimatischen Bedingungen, Permafrost, Gebirge, breite Flüsse und die Abgeschiedenheit vieler Baustellen stellten die Arbeiter und Ingenieure vor enorme Herausforderungen.

Besonders schwierig war der Bau zahlreicher Tunnel und Brücken. Einige Abschnitte konnten erst viele Jahre später endgültig fertiggestellt werden. Dennoch wurde 1984 mit dem symbolischen Zusammenschluss der von Westen und Osten vorangetriebenen Gleise ein entscheidender Meilenstein erreicht.

Die Baikal-Amur-Magistrale ist keine eigentliche Teilstrecke der Transsibirischen Eisenbahn, bildet jedoch eine wichtige nördliche Alternative zu ihr. Bis heute spielt sie vor allem für den Güterverkehr und die Erschließung der rohstoffreichen Regionen Ostsibiriens und des Fernen Ostens eine bedeutende Rolle.

Sonderzug „Imperial Russia“
Sonderzug „Imperial Russia“

13 Zusammenbruch der Sowjetunion

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 begann auch für die Transsibirische Eisenbahn eine neue Epoche. Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen der 1990er-Jahre wirkten sich unmittelbar auf den Eisenbahnverkehr aus. Staatliche Strukturen wurden neu organisiert, Investitionen gingen zeitweise zurück und viele Bereiche der Infrastruktur mussten sich an die veränderten Bedingungen anpassen.

Gleichzeitig behielt die Transsibirische Eisenbahn ihre herausragende Bedeutung als wichtigste Landverbindung zwischen dem europäischen Teil Russlands, Sibirien und dem Fernen Osten. Für zahlreiche Städte und Regionen entlang der Strecke blieb sie eine unverzichtbare Lebensader für den Personen- und Güterverkehr.

Mit der Öffnung Russlands entwickelte sich die Transsibirische Eisenbahn zunehmend auch zu einem internationalen Reiseziel. Immer mehr ausländische Besucher entdeckten die Fahrt durch Russland als außergewöhnliche Möglichkeit, das Land, seine Landschaften und die gewaltigen Entfernungen zwischen Europa und Asien unmittelbar zu erleben.

Neben den regulären Fernzügen entstanden spezielle touristische Angebote und Sonderzüge, die Reisen auf der Transsibirischen Eisenbahn mit einem besonderen Komfort und einem umfangreichen Besichtigungsprogramm verbanden. Damit begann ein neues Kapitel in der Geschichte der legendären Strecke – nun nicht mehr nur als Verkehrsweg, sondern auch als eine der berühmtesten Eisenbahnreisen der Welt.

Transsibirische Eisenbahn
Transsibirische Eisenbahn

14 Die Transsibirische Eisenbahn heute

Auch mehr als ein Jahrhundert nach ihrem Bau ist die Transsibirische Eisenbahn eine der wichtigsten Verkehrsadern Russlands. Auf einer Strecke von über 9.000 Kilometern verbindet sie Moskau mit Wladiwostok am Pazifik und durchquert dabei zwei Kontinente, zahlreiche Regionen und mehrere Zeitzonen.

Für den Güterverkehr besitzt die Transsib bis heute eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Über die Strecke werden große Mengen an Rohstoffen, Industrieprodukten und anderen Gütern zwischen dem europäischen Teil Russlands, Sibirien und dem Fernen Osten transportiert. Zugleich ist sie ein wichtiges Bindeglied im Schienenverkehr zwischen Europa und Ostasien.

Auch im Personenverkehr ist die Transsibirische Eisenbahn weiterhin von großer Bedeutung. Fernzüge verbinden die zahlreichen Städte entlang der Strecke und sind für viele Regionen Sibiriens und des Fernen Ostens ein unverzichtbares Verkehrsmittel. Die vollständige Elektrifizierung und die kontinuierliche Modernisierung der Infrastruktur haben die Leistungsfähigkeit der Magistrale im Laufe der Jahrzehnte erheblich gesteigert.

Für Reisende aus aller Welt ist die Transsibirische Eisenbahn längst mehr als nur ein Verkehrsmittel. Eine Fahrt auf der legendären Strecke bietet die Möglichkeit, die gewaltigen Dimensionen Russlands unmittelbar zu erleben – von den Landschaften des Urals und den endlosen Weiten Sibiriens bis zum Baikalsee und schließlich zum Pazifik.

Was der Bau der Transsib kostete

Ursprünglich wurden die Kosten für den Bau der Transsibirischen Eisenbahn auf rund 325 Millionen Rubel geschätzt. Um die Ausgaben möglichst niedrig zu halten, setzte man in großem Umfang Soldaten und Strafgefangene ein. Insgesamt arbeiteten zeitweise bis zu 100.000 Menschen an dem gewaltigen Bauprojekt.

Gleichzeitig wurden jedoch zahlreiche qualifizierte Fachkräfte benötigt, die insbesondere in den dünn besiedelten Regionen Sibiriens kaum zur Verfügung standen. Deshalb wurden zusätzlich Arbeitskräfte aus China, Japan und Korea angeworben.

Im Durchschnitt kostete der Bau eines Kilometers Bahnstrecke etwa 70.000 Rubel. Besonders teuer war die schwierige Streckenführung am Baikalsee: Dort stiegen die Kosten auf fast 200.000 Rubel pro Kilometer. Der enorme technische und finanzielle Aufwand brachte diesem Abschnitt später den Beinamen „Goldene Gürtelschnalle“ ein.

Die ursprüngliche Kalkulation ließ sich letztlich bei weitem nicht einhalten. Bereits bis 1901 waren rund 855 Millionen Rubel ausgegeben worden. Die Gesamtkosten stiegen schließlich auf mehr als eine Milliarde Rubel. Finanziert wurde das gigantische Eisenbahnprojekt zu einem erheblichen Teil durch ausländische Anleihen, insbesondere aus Frankreich und Belgien.

Karte Transsib
Karte der Transsibirischen Eisenbahn, 1897